21.11.2013

Vulkanismus und Fossilentstehung in Rheinland-Pfalz

„Belebend, zerstörend, konservierend – die Wirkung von Vulkanismus auf die belebte Umwelt“, unter diesem Titel stellt der Mitarbeiter Thomas Schindler des Referates Erdgeschichte den Einfluss des Vulkanismus auf die Zusammensetzung fossiler Ökosysteme und die Bildung von Fossillagerstätten in Rheinland-Pfalz in einem eigenen Kapitel dar.
„Belebend, zerstörend, konservierend – die Wirkung von Vulkanismus auf die belebte Umwelt“

Beleuchtet werden hier zwei vulkanisch geprägte Perioden, zum einen der Vulkanismus vor 290 Millionen Jahren (Perm), sowie zum anderen der alpidische Vulkanismus der Erdneuzeit (vor 45 Millionen bis 13.00 Jahren), der  zahlreiche Zeugnisse in Eifel und Westerwald hinterließ.

Ablagerungen des permischen Vulkanismus sind im Wesentlichen auf das rund 300 x 100km große Saar-Nahe-Becken beschränkt. Davon ist jedoch nur rund ein Drittel der Ausdehnung zugänglich (zwischen Saarbrücken und Bad Kreuznach), der Rest ist von jüngeren Ablagerungen bedeckt und somit nur über Bohrungen zu erschließen. Dieser Vulkanismus prägte die Landschaft entscheidend, rhyolithische Schmelzen drangen in den Untergrund ein und wölbten die Landschaft bis zu 1000m hoch auf, Vulkane stießen Aschewolken aus, die im Umkreis mehrere 100km² mit ihren Ablagerungen bis zu dreißig Meter hoch bedeckten. Flüsse wurden gestaut und erzeugten so flache Seen, ja ganze Seenplatten, Sümpfe und Wälder wurden von Aschen bedeckt oder von Schlammströmen verschüttet. Alle diese Prozesse führten auch zur Versteinerung der dadurch betroffenen Pflanzen und Tiere, die so großräumig durch den Vulkanismus ausgelöscht wurden. Aber immer wieder erholte sich die Pflanzen- und Tierwelt von diesen katastrophalen Ereignissen, die neu entstandenen Lebensräume wurden schnell wieder von Pflanzen, wie Farnen und Schachtelhalmen und Tieren, wie Fischen und salamanderartigen Amphibien,  besiedelt.

In der Eifel setzte der Vulkanismus vor rund 49 Millionen Jahren ein und führte u.a. zur Bildung des berühmten Eckfelder Maares mit seinen außergewöhnlich gut erhaltenen Fossilien in den Maarseeablagerungen, die im Manderscheider Maarmuseum [www.maarmuseum.de] zu bewundern sind.

Im Westerwald setzte der Vulkanismus erst vor ca. 25 Millionen Jahre ein, seine Eruptionen bedeckten die Landschaft bis zu 50m hoch. Hier findet sich auch die zweite berühmte Maarsee-Fossillagerstätte von Rheinland-Pfalz, bei der Ortschaft Enspel gelegen. Fossiles Symboltier ist hier, mit perfekter Weichteil- und Knochenerhaltung, ein gleitfliegendes Nagetier. Informationen zur Fossillagerstätte, den gefundenen Fossilien und zu einem angeschlossenen, museal aufbereitetem Industriedenkmal finden sich im „Stöffel-Park“ [www.stoeffelpark.de]. Die Auswirkungen des Vulkanismus waren hier ähnlich, wie oben für das Perm geschildert, nur dass sowohl die Pflanzen- wie auch die Tierwelt schon mehr der heutigen ähnelten.

Veröffentlicht wurde der Artikel in einer Sonderrubrik der „Paläontologischen Gesellschaft“ [ www.palges.de; Paläontologie aktuell – Berichte aus Forschung und Wissenschaft] in der Zeitschrift „Fossilien“ (Heft 4, 2013], die sich überwiegend an ein Laienpublikum wendet. Ziel ist es hier, eine breite Öffentlichkeit über die Ziele und Ergebnisse wissenschaftlicher paläontologischer Arbeit zu informieren, die der gesamten Gesellschaft von rein ökonomischen bis hin zu Fragen des Selbstverständnisses des Menschen in der belebten Umwelt zu Gute kommen.

Ein pdf des Artikels kann über thomas.schindler[at]gdke.rlp.de bezogen werden.



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